Ein Unternehmensverkauf wird selten von einer einzigen Person erfolgreich begleitet. Im Hintergrund arbeitet meist ein Team aus mehreren Spezialisten — und wer nicht genau weiß, wer wofür zuständig ist, riskiert doppelte Arbeit, Lücken in der Vorbereitung oder unnötig hohe Beraterkosten.
Der M&A-Berater: Prozesssteuerung und Verhandlung
Der M&A-Berater übernimmt die zentrale Rolle im gesamten Verkaufsprozess. Er erstellt die Unternehmensbewertung, identifiziert und qualifiziert potenzielle Käufer, koordiniert das Informationsmemorandum, steuert den Bieterprozess und führt die Kaufpreisverhandlungen. Er ist der Dreh- und Angelpunkt, der alle anderen Berater koordiniert und dafür sorgt, dass der Prozess strukturiert und in einem realistischen Zeitrahmen abläuft.
Der Steuerberater: Struktur und Gestaltung
Der Steuerberater — idealerweise einer mit Spezialisierung auf Unternehmenstransaktionen — bewertet die steuerlichen Konsequenzen der geplanten Transaktionsstruktur, prüft, ob ein Asset Deal oder Share Deal steuerlich günstiger ist, und entwickelt Gestaltungsmöglichkeiten zur Minimierung der Steuerlast. Er begleitet zudem die steuerliche Due Diligence auf Verkäuferseite und stellt sicher, dass die finanziellen Unterlagen im Datenraum steuerlich korrekt und vollständig sind.
Der Rechtsanwalt: Vertragsgestaltung und rechtliche Absicherung
Der M&A-Anwalt verhandelt und formuliert den Unternehmenskaufvertrag (SPA), prüft Garantien und Haftungsregelungen, begleitet die rechtliche Due Diligence und sorgt dafür, dass Ihre Interessen in allen rechtlichen Details des Vertrags abgesichert sind. Bei komplexeren Themen wie Wettbewerbsverboten, Kaufpreismechanismen oder internationalen Käufern ist ein Anwalt mit spezifischer M&A-Erfahrung unverzichtbar — ein Generalist aus dem Vertragsrecht reicht hier in der Regel nicht aus.
Der Wirtschaftsprüfer: Zahlen absichern
Bei größeren Transaktionen wird häufig zusätzlich ein Wirtschaftsprüfer eingebunden — etwa zur Erstellung oder Prüfung einer Vendor Due Diligence, zur Validierung der Finanzzahlen im Informationsmemorandum, oder als Schiedsgutachter bei Streitigkeiten über die Kaufpreisberechnung nach Closing Accounts. Der Wirtschaftsprüfer schafft eine unabhängige, von Käufern akzeptierte Grundlage für die Finanzzahlen, was das Vertrauen in den Prozess erheblich stärkt.
Wann Sie welchen Berater ins Boot holen sollten
Der M&A-Berater sollte idealerweise als Erstes eingebunden werden — noch bevor konkrete Verkaufsschritte unternommen werden, um die grundsätzliche Verkaufsfähigkeit und den realistischen Wert einzuschätzen. Der Steuerberater sollte spätestens bei der Entscheidung über die Transaktionsstruktur hinzugezogen werden, idealerweise aber schon Jahre vorher im Rahmen der strategischen Nachfolgeplanung. Der Rechtsanwalt kommt meist dann ins Spiel, wenn erste konkrete Kaufinteressenten feststehen und ein Letter of Intent oder der Kaufvertrag entworfen werden muss.
Wie die Zusammenarbeit im Team funktionieren sollte
Ein gut eingespieltes Beraterteam kommuniziert regelmäßig untereinander, statt isoliert nebeneinander zu arbeiten. Bewährt haben sich regelmäßige Abstimmungstermine, an denen alle Berater teilnehmen, sowie ein zentraler Ansprechpartner — meist der M&A-Berater —, der den Gesamtüberblick behält und sicherstellt, dass steuerliche und rechtliche Entscheidungen aufeinander abgestimmt sind. Fehlt diese Koordination, entstehen häufig widersprüchliche Empfehlungen oder doppelt erledigte Arbeit, die unnötig Zeit und Geld kostet.
Kostenstruktur: Was das gesamte Beraterteam kostet
Die Gesamtkosten für ein professionelles Beraterteam liegen bei mittelständischen Transaktionen häufig zwischen 3 und 10 Prozent des Kaufpreises, abhängig von Komplexität und Transaktionsgröße. Der M&A-Berater erhält üblicherweise die größte Vergütungskomponente über ein Erfolgshonorar, während Steuerberater und Anwalt meist auf Stundenbasis oder mit einem Pauschalhonorar für definierte Leistungspakete abrechnen. Diese Kosten sollten Sie nicht als reine Ausgabe betrachten, sondern als Investition, die sich durch einen höheren, rechtlich und steuerlich abgesicherten Kaufpreis regelmäßig auszahlt.
Typische Fehler bei der Zusammenstellung des Beraterteams
- Der Hausanwalt oder Steuerberater ohne M&A-Erfahrung wird aus Bequemlichkeit eingebunden, obwohl spezialisierte Expertise fehlt
- Berater werden zu spät hinzugezogen, wodurch wichtige Gestaltungsspielräume bereits verstrichen sind
- Fehlende Abstimmung zwischen den Beratern führt zu widersprüchlichen Empfehlungen
- Unklare Verantwortlichkeiten sorgen dafür, dass wichtige Aufgaben zwischen den Beratern liegen bleiben
Fazit: Das richtige Team ist die Grundlage für einen erfolgreichen Verkauf
Ein Unternehmensverkauf ist ein interdisziplinäres Projekt, das fundierte Expertise aus mehreren Fachrichtungen erfordert. Wer frühzeitig ein eingespieltes, klar koordiniertes Beraterteam aufstellt, reduziert Risiken erheblich und schafft die Voraussetzung für einen reibungslosen Prozess — von der ersten Bewertung bis zum erfolgreichen Closing.
Interessenkonflikte im Beraterteam erkennen und vermeiden
Nicht jeder Berater hat automatisch dieselben Interessen wie Sie als Verkäufer. Ein M&A-Berater, der ausschließlich über Erfolgshonorar vergütet wird, hat unter Umständen ein Interesse an einem schnellen Abschluss — nicht zwingend am höchstmöglichen Preis, wenn dieser mit einem deutlich längeren Prozess verbunden wäre. Ein Steuerberater, der gleichzeitig die laufende Buchhaltung des Unternehmens betreut, könnte zurückhaltend mit kritischen Themen umgehen, wenn er befürchtet, das Mandat zu verlieren. Diese potenziellen Interessenkonflikte sollten Sie offen ansprechen und, wo nötig, durch klare Honorarstrukturen oder die Einbindung zusätzlicher unabhängiger Meinungen ausbalancieren.
Die Rolle Ihres Steuerberaters vor Ort versus spezialisierter Transaktionsberater
Viele Unternehmer möchten aus Vertrauen und langjähriger Zusammenarbeit ihren bestehenden, lokalen Steuerberater in den Verkaufsprozess einbinden. Das ist grundsätzlich sinnvoll, da dieser die Unternehmenshistorie am besten kennt — sollte aber durch einen zusätzlichen, auf Transaktionen spezialisierten Steuerberater ergänzt werden, wenn der Hausberater keine tiefergehende M&A-Erfahrung hat. Die Kombination aus vertrautem Hausberater für die operativen Details und spezialisiertem Transaktionsexperten für die komplexen Strukturierungsfragen hat sich in der Praxis vielfach bewährt.
Wann ein zusätzlicher Fachanwalt für Arbeitsrecht sinnvoll ist
Bei Unternehmen mit größerer Belegschaft, bestehenden Betriebsräten oder komplexen Personalstrukturen lohnt sich häufig die zusätzliche Einbindung eines Fachanwalts für Arbeitsrecht — unabhängig vom allgemeinen M&A-Anwalt. Themen wie Betriebsübergang nach § 613a BGB, Sozialpläne, Betriebsvereinbarungen oder die Behandlung von Führungskräfteverträgen erfordern spezifisches arbeitsrechtliches Fachwissen, das ein reiner Gesellschaftsrechtler nicht immer im gleichen Detailgrad mitbringt.
Die Kommunikationsstruktur: Ein Beispiel aus der Praxis
Ein bewährtes Modell für die Zusammenarbeit im Beraterteam sieht wöchentliche, kurze Abstimmungscalls in der aktiven Verhandlungsphase vor, an denen M&A-Berater, Steuerberater und Anwalt teilnehmen, moderiert vom M&A-Berater als zentralem Prozesskoordinator. Zusätzlich empfiehlt sich eine gemeinsame digitale Projektablage, in der alle Berater denselben aktuellen Stand von Vertragsentwürfen, offenen Punkten und Fristen einsehen können. Diese Struktur verhindert, dass wichtige Informationen nur einzelnen Beratern vorliegen und dadurch Entscheidungen auf unvollständiger Grundlage getroffen werden.
Wie Sie als Verkäufer die Fäden in der Hand behalten
Trotz eines erfahrenen Beraterteams bleibt die letzte Entscheidung immer bei Ihnen. Lassen Sie sich wichtige Empfehlungen — insbesondere bei Kaufpreisstruktur, Garantien und Haftungsfragen — immer verständlich und nachvollziehbar erklären, bevor Sie zustimmen. Ein gutes Beraterteam nimmt sich die Zeit, komplexe Sachverhalte so aufzubereiten, dass Sie als Unternehmer eine informierte Entscheidung treffen können, statt sich blind auf Fachjargon verlassen zu müssen.

