Ein Unternehmensverkauf hat selten einen einzigen Architekten. Meist arbeiten vier bis sechs Spezialisten parallel – und das komplette Beraterteam kostet bei mittelständischen Transaktionen zwischen 3 und 10 Prozent des Kaufpreises. Wer nicht weiß, wer wofür zuständig ist, zahlt doppelt: einmal an falsche Berater, einmal in Form von Wert, der beim Verhandeln verschenkt wird.
Vier Rollen, ein Ziel: Das Kernteam im Überblick
M&A-Berater: Er ist der Dreh- und Angelpunkt. Bewertung, Käuferansprache, Informationsmemorandum, Bieterprozess, Preisverhandlung – alles läuft über seinen Schreibtisch. Ohne ihn fehlt dem Prozess die Struktur.
Steuerberater: Er entscheidet mit, was von einem Kaufpreis am Ende netto übrig bleibt. Asset Deal oder Share Deal, Holdingstruktur, Zeitpunkt der Veräußerung – seine Themen kosten oder sparen schnell sechsstellige Beträge.
Anwalt: Er verhandelt und formuliert den Kaufvertrag, Garantien, Freistellungen, Wettbewerbsverbote. Ein Generalist aus dem Vertragsrecht reicht bei komplexeren Themen wie Kaufpreismechanismen oder internationalen Käufern nicht aus.
Wirtschaftsprüfer: Bei größeren Deals prüft er die Finanzzahlen unabhängig – als Ersteller einer Vendor Due Diligence oder als Schiedsgutachter bei Streit über Closing Accounts. Das schafft Vertrauen bei Käufern, die eigenen Zahlen grundsätzlich misstrauen.
Wer wann ins Boot muss
| Berater | Idealer Einstiegszeitpunkt | Typische Vergütung |
|---|---|---|
| M&A-Berater | Vor der ersten Verkaufsentscheidung | Erfolgshonorar, oft gestaffelt nach Lehman-Formel (ca. 2-6 % des Kaufpreises) |
| Steuerberater | Idealerweise Jahre vorher, spätestens bei der Strukturentscheidung | Stundenhonorar oder Pauschale je Leistungspaket |
| Anwalt | Sobald ein Letter of Intent ansteht | Stundenhonorar oder Pauschale |
| Wirtschaftsprüfer | Bei Bedarf ab der Due-Diligence-Phase | Projektbezogenes Honorar |
Wer den M&A-Berater erst holt, wenn ein Kaufinteressent bereits am Tisch sitzt, hat die stärkste Verhandlungsposition oft schon verspielt.
Was das Team wirklich kostet
Die Gesamtkosten für ein professionelles Beraterteam liegen bei mittelständischen Transaktionen häufig zwischen 3 und 10 Prozent des Kaufpreises. Üblich sind gestaffelte Modelle nach dem Vorbild der US-amerikanischen Lehman-Formel: ein höherer Satz auf die erste Million, absteigende Sätze auf die weiteren Millionen. Der M&A-Berater verdient meist überwiegend am Erfolg, Steuerberater und Anwalt rechnen dagegen häufiger nach Zeit oder Paketpreis ab.
Faustregel: Wer am Beraterhonorar spart, spart meist am falschen Ende. Ein gutes Team verhandelt sein eigenes Honorar regelmäßig über den Kaufpreis zurück.
Wirtschaftsprüfer und Fachanwalt für Arbeitsrecht: die Spezialisten für den Ernstfall
Nicht jedes Team braucht jeden Spezialisten – aber wer sie ignoriert, wenn sie gebraucht werden, zahlt drauf. Bei größerer Belegschaft, bestehendem Betriebsrat oder komplexer Personalstruktur lohnt sich ein zusätzlicher Fachanwalt für Arbeitsrecht, unabhängig vom allgemeinen M&A-Anwalt.
Betriebsübergang nach § 613a BGB: Beim Unternehmensverkauf gehen bestehende Arbeitsverhältnisse automatisch auf den Käufer über. Kündigungen allein wegen des Übergangs sind unzulässig. Sozialpläne, Betriebsvereinbarungen und Führungskräfteverträge verlangen Fachwissen, das ein reiner Gesellschaftsrechtler oft nicht im gleichen Detailgrad mitbringt. Mehr dazu im Beitrag zu Betriebsrat und Sozialplan beim Unternehmensverkauf.
Die teuersten Fehler bei der Teamzusammenstellung
- Der Hausanwalt oder -steuerberater wird aus Bequemlichkeit eingebunden, obwohl die M&A-Erfahrung fehlt
- Berater kommen zu spät – wichtige Gestaltungsspielräume sind dann bereits verstrichen
- Fehlende Abstimmung führt zu widersprüchlichen Empfehlungen
- Unklare Zuständigkeiten lassen wichtige Aufgaben zwischen den Stühlen liegen
Praxis-Tipp: Der bestehende Hausberater kennt die Unternehmenshistorie am besten – er sollte aber durch einen Transaktionsspezialisten ergänzt werden, sobald die Struktur komplex wird. Beide Rollen schließen sich nicht aus.
Wie gute Zusammenarbeit im Team aussieht
Bewährt haben sich wöchentliche, kurze Abstimmungscalls in der aktiven Verhandlungsphase, moderiert vom M&A-Berater als zentralem Koordinator. Eine gemeinsame digitale Projektablage sorgt dafür, dass alle denselben Stand von Vertragsentwürfen, offenen Punkten und Fristen sehen. Fehlt diese Struktur, entstehen doppelte Arbeit und widersprüchliche Empfehlungen – auf Ihre Kosten.
Am Ende entscheiden Sie – nicht das Team
Ein erfahrenes Beraterteam nimmt Ihnen viel Arbeit ab, aber nicht die letzte Entscheidung. Lassen Sie sich Empfehlungen – besonders bei Kaufpreisstruktur und Garantien – immer nachvollziehbar erklären. Interessenkonflikte zwischen Beratern sollten Sie offen ansprechen und notfalls durch klare Honorarstrukturen oder eine zusätzliche unabhängige Meinung ausbalancieren.
Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Honorarsätze und gesetzliche Rahmenbedingungen sollten im Einzelfall mit den jeweiligen Fachberatern geprüft werden.
So begleitet JustValued die Zusammenstellung Ihres Beraterteams
JustValued koordiniert als zentraler M&A-Berater das gesamte Team aus Steuerberater, Anwalt und ggf. Wirtschaftsprüfer – von der ersten Bewertung bis zum Closing. Wir sorgen dafür, dass Zuständigkeiten klar sind, Fristen eingehalten werden und kein Gestaltungsspielraum verschenkt wird.
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Merksatz: Ein Unternehmensverkauf ist so gut wie das schwächste Glied in seinem Beraterteam.
Über JustValued
JustValued ist eine spezialisierte M&A-Beratung für den deutschen Mittelstand. Von der ersten Bewertung bis zum erfolgreichen Abschluss.
Quellen: § 613a BGB · M&A-Berater Kosten 2026 · Was kostet ein M&A-Berater?. Stand: September 2026, ohne Gewähr, keine Steuerberatung/Rechtsberatung im Einzelfall.
