Due Diligence kennt fast jeder Verkäufer als das, was der Käufer mit seinem Unternehmen macht. Weniger bekannt: Immer mehr Verkäufer drehen den Spieß um und lassen ihr eigenes Unternehmen vorab selbst prüfen — durch eine Vendor Due Diligence, kurz VDD.
Was eine Vendor Due Diligence wirklich ist
VDD: Der Verkäufer beauftragt selbst — noch vor Ansprache der Käufer — eine unabhängige Prüfung seines Unternehmens durch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Anwälte. Das Ergebnis ist ein detaillierter VDD-Bericht, der später an interessierte Käufer weitergegeben wird.
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Buyer Due Diligence: Die Prüfung erfolgt aus eigener Initiative, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt, mit voller Kontrolle darüber, wie mit gefundenen Themen umgegangen wird.
Warum sich freiwillige Prüfung auszahlt
Das klingt zunächst gegenintuitiv — wer lässt sich schon gerne unter die Lupe nehmen, wenn es nicht sein muss? Die Praxis zeigt trotzdem klare Vorteile:
- Risiken werden frühzeitig entdeckt und lassen sich vor der Käuferansprache beheben — statt später den Kaufpreis zu drücken
- Ein professioneller VDD-Bericht beschleunigt den Verkaufsprozess erheblich, da Käufer weniger eigene Prüfungen durchführen müssen
- Mehrere Käufer können denselben Bericht nutzen — ideal für ein strukturiertes Bieterverfahren
- Der Verkäufer kontrolliert das Narrativ, statt dass der Käufer Schwachstellen selbst „entdeckt“ und als Verhandlungshebel nutzt
Was eine VDD typischerweise abdeckt
| Prüfbereich | Fokus |
|---|---|
| Financial VDD | Jahresabschlüsse, Nachhaltigkeit des EBITDA, Working-Capital-Entwicklung |
| Tax VDD | Steuerliche Risiken, offene Betriebsprüfungen, Verrechnungspreise |
| Legal VDD | Vertragsprüfung, anhängige Rechtsstreitigkeiten, Compliance |
| Commercial VDD | Marktposition, Kundenkonzentration, Wettbewerbssituation |
Je nach Branche kommen weitere Spezialprüfungen hinzu — etwa eine technische oder IT-Due-Diligence bei technologiegetriebenen Unternehmen.
Was eine VDD in der Praxis häufig aufdeckt
Nicht dokumentierte mündliche Vereinbarungen mit Großkunden. Veraltete oder fehlende Arbeitsverträge. Steuerliche Grauzonen bei Geschäftsführergehältern. Eine zu hohe Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten. Genau solche Themen fördert eine Vendor Due Diligence häufig zutage — Punkte, die Verkäufer selbst oft gar nicht auf dem Schirm hatten. Werden sie vor der Käuferansprache bereinigt, verbessert sich die Verhandlungsposition spürbar.
Kosten und Zeitaufwand
Eine Vendor Due Diligence kostet je nach Unternehmensgröße und Umfang zwischen 15.000 und 100.000 Euro und dauert vier bis acht Wochen — bei sehr großen oder komplexen Mandaten auch länger. Wer eine schlankere Variante sucht, kann mit einem gezielten Red-Flag-Report in kritischen Bereichen bereits für einen niedrigen fünfstelligen Betrag Klarheit gewinnen. Die volle VDD ist eine echte Investition — die sich aber häufig durch einen höheren, saubereren Kaufpreis und einen schnelleren Prozess auszahlt.
Vendor Due Diligence oder Vendor Assistance?
Der Unterschied zählt: Bei der leichteren Vendor Assistance unterstützt ein Berater den Verkäufer bei der internen Vorbereitung der Unterlagen, ohne einen vollständigen, an Käufer weitergebbaren Prüfbericht zu erstellen. Diese Variante ist günstiger und schneller, bietet aber nicht denselben Vertrauensvorschuss wie ein vollständiger VDD-Bericht mit Reliance-Erklärung eines Wirtschaftsprüfers.
Die Reliance-Erklärung: Der Kern des Vertrauensvorschusses
Ein zentrales Element der VDD ist die sogenannte Reliance-Erklärung. Sie erlaubt es dem Käufer, sich rechtlich auf den VDD-Bericht zu verlassen, als hätte er die Prüfung selbst beauftragt. Ohne diese Erklärung müsste der Käufer trotz vorliegendem VDD-Bericht eine eigene, vollständige Due Diligence durchführen — was den Zeit- und Kostenvorteil zunichtemachen würde.
Für wen sich eine Vendor Due Diligence lohnt
Besonders sinnvoll ist eine VDD bei komplexeren Unternehmen, bei geplanten Bieterverfahren mit mehreren Interessenten, und bei Unternehmen mit bewegter Historie — etwa nach Umstrukturierungen, Zukäufen oder Gesellschafterwechseln. Bei kleineren, überschaubaren Unternehmen reicht oft eine gute interne Vorbereitung des virtuellen Datenraums ohne vollständige externe VDD aus.
Der unterschätzte Nebeneffekt: Bessere Verhandlungsvorbereitung
Der VDD-Prozess bereitet auch den Verkäufer selbst optimal auf die Verhandlungen vor. Wer die eigenen Schwachstellen bereits kennt, reagiert souverän auf kritische Fragen der Käuferseite — statt überrascht zu wirken. Das stärkt die Verhandlungsposition zusätzlich, unabhängig vom eigentlichen Prüfbericht. Wer sich Zeit und Budget für eine Vendor Due Diligence nimmt, verkauft nicht nur schneller, sondern verhandelt aus einer spürbar stärkeren Position.
So begleitet JustValued die Vendor Due Diligence
JustValued koordiniert für Verkäufer die passenden Prüfpartner, steuert den VDD-Prozess zeitlich und inhaltlich und sorgt dafür, dass der fertige Bericht beim Käufer die gewünschte Wirkung erzielt.
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Merksatz: Wer sich selbst zuerst prüft, überlässt dem Käufer keine Verhandlungshebel mehr.
Über JustValued
JustValued ist eine spezialisierte M&A-Beratung für den deutschen Mittelstand. Von der ersten Bewertung bis zum erfolgreichen Abschluss.
Quellen: GxG Legal: Due Diligence im deutschen Mittelstand · docurex: Dauer der Due Diligence im Mittelstand. Stand: September 2026, ohne Gewähr.
