Earn-out beim Unternehmensverkauf: Chancen, Risiken und was im Vertrag stehen muss

Der Verkäufer bewertet sein Unternehmen auf 8 Millionen Euro. Der Käufer sieht maximal 6 Millionen. Beide haben nachvollziehbare Argumente. Diese Bewertungslücke ist in vielen M&A-Transaktionen das zentrale Problem – und der Earn-out ist der Versuch, sie zu überbrücken. Doch die Realität des Earn-outs ist komplexer als es klingt.

Was ist ein Earn-out?

Ein Earn-out ist eine erfolgsabhängige Kaufpreiskomponente: Ein Teil des Kaufpreises wird nicht beim Closing gezahlt, sondern in Abhängigkeit von der zukünftigen Performance nachgezahlt – typischerweise über ein bis drei Jahre. Typische Struktur: 70 % Festpreis bei Closing, 30 % als Earn-out bei Erreichen eines EBITDA-Ziels im Folgejahr.

Wann wird ein Earn-out eingesetzt?

Bewertungsdifferenz: Käufer und Verkäufer kommen bei der Bewertung nicht zusammen. Der Earn-out lässt die Zukunft entscheiden.

Wachstumsversprechen: Der Verkäufer sieht Potenzial, das in den historischen Zahlen noch nicht sichtbar ist. Der Käufer zahlt dafür erst, wenn es eingetreten ist.

Inhaberabhängigkeit: Der Käufer will sicherstellen, dass der Verkäufer nach dem Closing aktiv mitarbeitet.

Typische Earn-out-Strukturen

EBITDA-basiert: Häufigster Ansatz. Nachteil: EBITDA kann durch Kostenallokationen beeinflusst werden.

Umsatzbasiert: Einfacher zu messen, schwerer zu manipulieren. Kein Anreiz zur Margenoptimierung.

Meilensteinbasiert: Definierte Ereignisse lösen Zahlung aus – z. B. Vertragsverlängerung, Produktlaunch, Kundenzahl.

Chancen für Verkäufer

Höherer Gesamterlös: Wenn das Unternehmen die Prognose erfüllt, erzielt der Verkäufer mehr als mit reinem Festpreis.

Bewertungslücke überbrücken: Ermöglicht einen Abschluss, der andernfalls an Preisdifferenz scheitern würde.

Glaubwürdiges Signal: Wer Teile des Preises vom Erfolg abhängig macht, signalisiert Überzeugung in das Unternehmen.

Risiken für Verkäufer

Fehlende Kontrolle: Nach dem Closing trifft der Käufer alle Entscheidungen. Kostenumlagen, Investitionsverschiebungen oder Strategiewechsel beeinflussen die Earn-out-Kennzahl – ohne dass der Verkäufer Einfluss hat.

Manipulation: EBITDA ist steuerbar. Laut SRS Acquiom kommt es in ca. 30 % aller Earn-out-Transaktionen zu Streitigkeiten.

Lange Bindung: Ein Earn-out über drei Jahre bedeutet drei Jahre Unsicherheit und häufig Anwesenheitspflicht im Unternehmen.

Vergleich: Gut vs. schlecht gestalteter Earn-out

AspektGut gestalteter Earn-outSchlecht gestalteter Earn-out
KennzahlKlar definiert, manipulationsresistentEBITDA ohne Kostenschutz
LaufzeitMaximal 2 Jahre3 Jahre oder länger
SchutzmechanismenNon-Interference-Klausel, KostenallokationsverbotKäufer hat freie Hand
Mindest-Earn-outGarantierter MindestbetragBei Nichterreichen: null
StreitbeilegungUnabhängiger WP als SchiedsinstanzNur Klageweg
TransparenzMonatliche Kennzahlen-ReportsKeine Informationspflicht

Wann Earn-out sinnvoll – wann besser ablehnen?

Sinnvoll wenn: Bewertungslücke ist einziges Hindernis. Verkäufer bleibt operativ tätig. Kennzahl ist manipulationsresistent. Laufzeit maximal 2 Jahre.

Ablehnen wenn: Kein operativer Einfluss nach Closing. Kennzahl leicht manipulierbar. Kein Mindest-Earn-out verhandelbar. Laufzeit über 2 Jahre. Festpreis deckt bereits die Untergrenze.

So begleitet JustValued Earn-out-Verhandlungen

Ein Earn-out ist kein Standardinstrument – er erfordert individuelle Gestaltung. Wir helfen Ihnen, die richtigen Kennzahlen zu wählen, Schutzmechanismen zu verhandeln und zu beurteilen, ob ein höherer Festpreis die bessere Alternative wäre.

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Merksatz: Ein Earn-out ist kein Bonus – er ist ein Risikotransfer. Wer die Bedingungen nicht verhandelt, trägt das Risiko ohne die Kontrolle zu haben.

Über JustValued

JustValued ist eine spezialisierte M&A-Beratung für den deutschen Mittelstand. Wir begleiten Unternehmer beim Kauf und Verkauf – von der ersten Bewertung bis zum erfolgreichen Abschluss.

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